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Haberer-Meteorite Geschenke des Himmels
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Sensationen
aus der Welt
der Meteorite
Die Welt der Meteorite ist eine
Welt der Sensationen, und auf einige dieser Sensationen haben wir
bereits auf den Seiten Herkunft und Rekorde hingewiesen. Für die
Boulevardpresse ist es jedoch meist eher nennenswert, wenn ein kleiner
Meteorit irdischen Schaden anrichtet, als wenn ein grosser kosmischer
Brocken in der Wüste gefunden wird oder sich herausstellt, dass
ein anderer gar vom Mond oder Mars stammt. Der Marsmeteorit von Nakhla,
der 1911 in Ägypten in mehreren Stücken zur Erde fiel,
erzeugte von Anfang an mehr Presserummel durch die Tatsache, dass eins
seiner Fragmente beim Fall einen Hund tötete als durch die
spätere Erkenntnis, dass er ein Bruchstück unseres roten
Nachbarplaneten ist!
Andere Meldungen sind eher
amüsant: So demolierte z.B. am 10. Dezember 1984 ein 1,5 kg
schwerer Steinmeteorit als eine Art kosmische Wurfsendung einen
Briefkasten in Claxton, Georgia, USA. Am 7. April 1990 plumpste in
Glanerbrug, Niederlande, ein 670 g schwerer Meteorit mitten in die
Küche eines Hauses, nachdem er das Dach durchschlagen hatte. Und
besonders bekannt wurde der Meteorit von Peekskill, New York, USA, der
am 9. Oktober 1992 die Kofferraumhaube eines parkenden, roten Chevy
Malibu durchbohrte und darunter im Asphalt stecken blieb. Der
Übeltäter wurde auf seinem Weg zum Tatort sogar von einem
Amateur gefilmt. Fragmente des 12 kg schweren Chondriten werden heute
in Sammlerkreisen zu über 200 $/g gehandelt, und der Chevy war
Blickfang auf zahlreichen Messen und Ausstellungen in Deutschland, der
Schweiz, Japan, Frankreich und den USA.
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Nicht immer geht
der Fall eines Meteoriten so glimpflich ab. Und auch wenn es bis heute
keinen nachgewiesenen Fall gibt, in dem ein Mensch durch einen Meteorit
erschlagen wurde, hat es in der Vergangenheit doch immer wieder
beängstigende Impaktereignisse gegeben, von denen zahlreiche
grosse Meteoritenkrater in aller Welt Zeugnis ablegen. Wenn man z.B.
heute die schwäbische Alb bereist und dort das friedliche
Städtchen Nördlingen inmitten einer etwa 25 km grossen Senke
liegen sieht, ahnt man kaum, dass es sich bei dieser als
Nördlinger Ries bekannten Struktur um einen gewaltigen
Impaktkrater handelt.
Vor etwa 15 Millionen Jahren
ging hier ein fast ein Kilometer grosser Meteorit mit einer
Geschwindigkeit von 70.000 km/h nieder, drang kilometertief in die Erde
ein und riss mit der Energie von 250.000 Hiroshima-Bomben einen inneren
Krater von über zwölf Kilometern Durchmesser aus der
Albhochfläche. Alles Leben im Umkreis von über hundert
Kilometern wurde augenblicklich durch eine Schockwelle vernichtet, und
gewaltige Wolken aus verdampftem Gestein legten sich über grosse
Teile Mitteleuropas. Das Gestein kondensierte zu einer glasartigen
Masse, die z.B. über der heutigen Tschechei abregnete, wo man
heute die sogenannten Moldavite finden kann, ein grünes,
durchsichtiges Gesteinsglas, das meist in Form verwitterter Tropfen
gefunden und gelegentlich zu Schmuck verarbeitet wird.
Die Ausmasse und Folgen von
kosmischen Einschlägen von der Grössenordnung des
Ries-Impakts sind nahezu unvorstellbar und lassen filmische
Horrorszenarien á la Armaggedon oder Deep Impact im Vergleich
wie Sandkastenspiele erscheinen. Echten Impakt-Ereignissen dieser
Kategorie folgte stets eine Art nuklearer Winter, in dem die Sonne
viele Jahre lang durch die dicken Staubwolken verdunkelt wurde und kaum
mehr die Erde erreichte. Was folgte, war ein Massensterben
unvorstellbaren Ausmaßes, und man geht heute davon aus, dass auch
das Ende der Dinosaurier und der Tierwelt der Kreidezeit durch einen
kosmischen Treffer verursacht wurde, der das Ries-Ereignis um einiges
übertraf!
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Es war lange bekannt, dass sich
am Übergang zwischen den Erdzeitaltern von Kreide und Tertiär
vor etwa 65 Millionen Jahren eine unvorstellbare Katastrophe ereignet
haben musste, denn damals waren nicht nur die Dinosaurier
plötzlich ausgestorben, nachdem sie die Erde fast 150 Millionen
Jahren beherrscht hatten: über drei Viertel aller damals bekannten
Tier- und Pflanzenarten wurden innerhalb kurzer Zeit ausgelöscht.
Zunächst glaubte man, dass gewaltige Vulkanausbrüche für
das Massensterben verantwortlich waren, aber im Jahr 1978 entdeckten
italienische Forscher, die die geologische Trennschicht zwischen Kreide
und Tertiär, eine zentimeterdicke rotbraune Tonschicht,
untersuchten, etwas Sensationelles. Diese Schicht enthielt grosse
Mengen des Edelmetalls Iridium, dass auf der Erde sehr selten ist, aber
in Meteoriten meist in tausendfach höherer Konzentration vorkommt.
Sollte der Einschlag eines Riesenmeteoriten den Giganten der Vorzeit
den Garaus gemacht haben?
Die gewagte Theorie wurde
zunächst von vielen Wissenschaftlern abgelehnt, vor allem weil
kein Einschlagkrater von entsprechender Grösse und passendem Alter
bekannt war. Erst 1990 entdeckten Forscher an der Küste Yukatans,
Mexiko, eine kraterförmige Struktur mit einem Durchmesser von etwa
280 Kilometern. Sie war bislang unerkannt geblieben, weil über die
Hälfte des Kraters auf dem Grund des Golfes von Mexiko liegt und
der inländische Teil der Struktur im Laufe der Jahrmillionen mit
Sedimenten angefüllt wurde und daher oberflächlich nicht mehr
sichtbar ist. Die Bestimmung des Alters des neu entdeckten
Chicxulub-Kraters ergab eine Sensation: hier war tatsächlich vor
65 Millionen Jahren ein gewaltiger Meteorit mit über 10 Kilometern
Durchmesser und der Wucht von 5 Milliarden Megatonnen TNT - sprich
über 10 Millionen Hiroshima-Bomben - eingeschlagen, genug
Zerstörungskraft, um die Erde in einen jahrzehntelangen Winter zu
werfen und nahezu alles Leben auszulöschen!
Heute weiss man, dass solche
Massensterben durch den Einschlag gewaltiger Meteorite in der
Erdgeschichte immer wieder aufgetreten sind, und man sorgt sich wegen
der Möglichkeit eines solchen Einschlags in unserer Zeit. Doch
auch wenn man inzwischen einige hundert Objekte mit einem Durchmesser
von einem Kilometer und mehr ausgemacht hat, die unsere Erdbahn kreuzen
und eines Tages mit uns kollidieren könnten, geht eine weit
grössere Gefahr von kleineren Objekten mit einem Durchmesser um
die hundert Meter aus. Erstens gibt es viel mehr solch kleiner
Asteroide, und zweitens lassen sie sich nur schwer durch Teleskope oder
Radar entdecken. Eine Vorhersage ist daher nahezu unmöglich. Im
letzten Jahrhundert gab es mindestens zwei solcher Einschläge -
1908 an der Steinigen Tunguska, Sibirien, und 1930 in der Nähe des
Rio Curuca, Brasilien - die sich aber zum Glück in unbewohnten
Gebieten ereigneten. Hätten sie eine Stadt oder ein besiedeltes
Gebiet getroffen, wäre ihre Wirkung verheerender gewesen als der
Abwurf einer Wasserstoffbombe mit der Sprengkraft von 20 Megatonnen
TNT!
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Es gibt aber auch
wissenschaftliche Sensationen aus der Welt der Meteorite, die sie in
einem ganz anderen Licht erscheinen lassen: nicht als potentielle
Zerstörer, sondern - im Gegenteil - als Lebensbringer. So hat man
schon zum Ende des 19. Jahrhunderts Wasser und Spuren von organischen
Substanzen in manchen kohligen Chondriten gefunden, doch diese
Entdeckung wurde bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts
als irdische Verunreinigung abgetan, um gar nicht erst ernsthaft
über mögliche Konsequenzen für unser Welt- und
Selbstbild nachdenken zu müssen. Doch im September 1969 fiel in
Murchison, Australien, ein weiterer kohliger Chondrit, der vor jeder
Möglichkeit einer irdischen Kontamination geborgen werden konnte
und der Wissenschaft in Folge mehr Daten lieferte, als manchem lieb war.
So fand man im Murchison
Meteorit nicht nur über 10% gebundenes Wasser, sondern auch
komplexe Kohlenwasserstoffe und die Bausteine allen Lebens:
Aminosäuren. Während wir auf der Erde gemeinhin 22
Aminosäuren kennen, die in allen Lebensprozesse involviert sind,
wurden aus dem Murchison Meteorit mehr als 230 verschiedene
Aminosäuren isoliert, die der Wissenschaft bis heute zahlreiche
Rätsel aufgeben. Die meisten Forscher glauben zwar nicht an eine
biogene Herkunft der organischen Substanzen, aber man geht mehr und
mehr davon aus, dass kohlige Chondrite in der Entstehungsgeschichte des
Lebens auf unserer Erde eine überragende, wenn nicht gar
entscheidende Rolle gespielt haben, indem sie nicht nur Wasser, sondern
auch alle zum Leben nötigen Stoffe wie kosmische Spermien auf die
jungfräuliche, empfängnisbereite Erde gebracht haben.
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Wenn dem so ist, könnte es
sein, dass das Leben auf unserer Erde gar nicht so einzigartig ist, wie
viele von uns immer noch glauben. Wenn die zum Leben nötigen
Substanzen im Weltall entstehen und von Kometen und Meteoriten auf
empfängnisbereite Planeten zur weiteren Entwicklung gepflanzt
werden, könnte eine solche Entwicklung an vielerlei Orten
ähnlich vonstatten gegangen sein. Und es war wieder ein Meteorit,
der diese unerhörte Möglichkeit in den Bereich des
Wahrscheinlichen beförderte und den Präsidenten der USA, Bill
Clinton, im August 1996 dazu veranlasste, in einer öffentlichen
Rede über mögliches Leben auf unserem Nachbarplaneten Mars
nachzudenken.
Grund für diese Rede
waren die Ergebnisse einer amerikanischen Forschergruppe, die den
antarktischen Marsmeteoriten ALH84001 seit seinem Fund im Jahr 1984
verschiedensten Untersuchungen unterzogen hatten. Dabei hatte man unter
anderem in Einschlüssen des Meteoriten mikroskopisch kleine
Fossilien gefunden, die an irdische Bakterien erinnern, sowie winzig
kleine Magnetit-Kristalle, die in dieser Form auf der Erde ebenfalls
nur von bestimmten Bakterien erzeugt werden. Ausserdem fand man Spuren
von PAHs, das sind komplexe organische Substanzen, die zwar nicht
unbedingt zwingend auf Leben hinweisen, aber dennoch ein wichtiger
Indikator hierfür sind.
Natürlich hat dieser
Fund zu erhitzten Debatten in Wissenschaftlerkreisen geführt, die
bis heute andauern. Die eine Partei versucht mit allen Mitteln
nachzuweisen, dass es sich bei den Forschungsergebnissen entweder um
Trugschlüsse aufgrund irdischer Kontamination oder um anorganische
Prozesse handelt, die fälschlich als Lebensspuren gedeutet werden.
Aber mehr und mehr Forscher schliessen sich der zweiten Fraktion an,
die vorsichtig versucht, die Möglichkeit eines primitiven Lebens
auf dem Mars in Betracht zu ziehen, dass vielleicht bis in die heutige
Zeit existiert. Diese Kontroverse erklärt jedenfalls das in den
letzten Jahren wiedererwachte Interesse an bemannten Expeditionen zu
unserem Nachbarplaneten, die uns vielleicht eine Antwort auf die Frage
geben wird, die die Menschheit seit Urzeiten quält: Sind wir
allein im Weltall?
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kontakt:
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- www.haberer-meteorite.de
- Gestaltung
Sabine Misczychowski
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